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Design

Roman Signer für Atelier Pfister

Er scheine eine Affinität zu Stühlen zu haben, meinte Dorothea Strauss zu Roman Signer anlässlich der Präsentation seines Werks «Stuhl mit Loch» für Atelier Pfister im Pop-Up Store an der Rämistrasse. Der Künstler, 1938 im Appenzell geboren, und trotz seines doch stattlichen Alters Kind geblieben, realisierte für den Möbelhersteller exklusiv die Arbeit «Stuhl mit Loch, Weissbad, 10. März 2014». Doch statt auf seine suggerierte Beziehung zu Stühlen zu antworten, verwies er auf seine Aggression gegen Küchentische, die er seit seiner Kindheit hege. Und darauf, dass das «Sprengen» solcher Objekte gesund sei für die Psyche. Wenn Künstler ihre Ängste (mit Kunstherstellung) therapieren, dann haben (im Unterschied zum Rest der Menschheit) auch andere Leute etwas davon. Auch wenn dabei ein Designstück (im konkreten Fall ein Sessel von This Weber) draufgeht. Zuerst habe er mit der Schrotflinte dahinter wollen, doch das habe zu kleine Löcher gegeben, erzählte er. Wenn schon Loch, dann richtig. Also sprengen. Darauf versteht sich der Künstler, auch wenn sich sein Werk bei Weitem nicht auf das Sprengen reduzieren lässt. Selbstverständlich – wie sich das für ein Land gehört, in dem alles seine Ordnung hat – darf er diese nicht ganz unbedenkliche Tätigkeit von Amtes wegen ausüben. Er sei Sprengbefugter mit B-Ausweis, Sprengmeister verlange die Lizenz C. Die brauche er nicht, meinte er gelassen (das ist nachzuvollziehen, schliesslich ist Signer Künstler nicht James Bond). Dynamit brauche man dafür heute nicht mehr, erfahren wir, doch das macht seine Aktionen nicht minder gefährlich. Von Dorothea Strauss auf diese Gefahr angesprochen, antwortete er: «Kunst geht an die Grenze, man muss dafür etwas wagen». So wird das bei seiner Intervention anmutig lädierte Design zu Kunst. «Manchmal auch zu einem lebendigen Wesen», wie der Künstler bemerkte. Wenn Möbel zu lebendiger Kunst werden, dann bin ich darüber sehr glücklich. Denn zuweilen ist Design allein gar fade. Ich werde ganz fest an Roman Signer denken, wenn ich das nächste Mal eine Messe besuche …

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