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Architektur

Zufällig London

Das hier soll keine Werbung für London werden. Aber ehrlich gesagt, ist London einfach ganz grosses Kino. Davon konnte ich mich letztes Wochenende einmal mehr überzeugen, als ich zwecks Tapetenwechsel und Stippvisite bei Freunden in der englischen Metropole war. Eigentlich wollte ich ja die Gelegenheit nutzen, um mir – mit meinem Presseausweis wedelnd – einen kostenlosen Besuch auf Londons neustem Aussichtspunkt zu gönnen. Ich spreche natürlich von The Shard. Leider gab mir die verantwortliche Pressedame bereits im Vorfeld zu verstehen, dass ein kleiner Blogeintrag nicht ausreichen würde, um an die spärlich gesäten Free Tickets zu kommen. So kam es, dass ich mir den umstrittenen Turm nur aus der Ferne verinnerlichte. Das reichte eigentlich auch, denn wenn man sich in Themsennähe bewegt, taucht das Ding immer wieder zwischen Londons alteingesessenen Gebäudesilhouetten auf. Also nutzte ich meine Zeit stattdessen für intensives Herumstreunen. Mal ehrlich, gibt es etwas Besseres, als in vermeintlich vertrauten Städten drauf los zu schlendern und dabei sämtlichen bereits begangenen Pfaden auszuweichen? So kam es, dass ich mir im Hotel Savoy ein Glas Champagner gönnte. Ein netter englischer Herr (von denen wimmelt es in der Stadt!) hatte mir dringend dazu geraten. Gleichzeitig empfahl er mir möglichst zielstrebig ins Hotel zu steuern, so selbstverständlich, als wäre ich Gast in der Luxusunterkunft. Gesagt, getan, und ich bin davon überzeugt: Wer immer sich an die Strasse «The Strand» verirrt, darf das Savoy nicht auslassen. Unbedingt im Salon einen Afternoon Tea bestellen oder im Vorraum die Konditoren beim Herstellen ihrer Kreationen von Süssigkeiten beobachten (während man einen Pfirsich Melba isst – der wurde nämlich hier erfunden). Mein nächster Stopp war noch zufälligerer Natur: Ich stolperte in die Lloyds Bank und war erheblich mehr beeindruckt von der prachtvollen Eingangshalle des Finanzinstituts als von den gegenüberliegenden Gebäuden der Royal Courts of Justice. Ebenfalls in der Nähe, an der Portsmouth Street, traf ich auf ein wahres Touristen-Juwel (wobei es womöglich aufgrund seiner «Grösse» gerne übersehen wird): The Old Curiosity Shop. Angeblich eine Vorlage für den gleichnamigen Roman von Charles Dickens, ist der Shop mit fast 100%-iger Sicherheit der älteste Laden im Zentrum Londons und vermittelt einen hervorragenden Eindruck, wie solche Ladengebäude wohl vor dem grossen Brand (1666) ausgesehen haben mögen. Nach unzähligen beeindruckenden Bauten, von denen ich mir weder Standort noch Name merken konnte, einer U-Bahnfahrt mit Start in meiner neuen Lieblings-U-Bahnstation (again, der Name bleibt ein Geheimnis) mit dem Ziel Brixton, blieb mir als abschliessendes Bild einer aussergewöhnlichen Stadt das beeindruckende Graffiti «Nuclear Dawn» von Brian Barnes aus den frühen 1980er-Jahren… Falsch. Das bleibende Bild dieses «Zufall-Prinzip-Wochenendes» ist das Foto meines Zufall-Treffens am Flughafen mit Eames Demetrios, den ich vor ein paar Wochen noch via Skype interviewt habe…

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