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Kultur

Scherben

Einen Scherben nannte man (ganz) früher ein Tongefäss zur Aufbewahrung von Speisen. Viele Scherben, viele Tongefässe, viel Essen, viel Glück. Genau! Deshalb bringen Scherben Glück. Es bleibt dahingestellt, ob dieses verheissungsvolle Omen, nachweisbares Prinzip ist, Aberglaube oder doch nur ein schwacher Trost. Über Ver- und Zerbrochenes wächst schliesslich Gras – irgendwie, irgendwo, irgendwann. So wie über die Scherben- und Trümmerhaufen Berlins nach 1945. Vierzehn Hügel, denen Kaputtes und Zerschlagenes einverleibt wurde, gelten heute als Naturraum: «Mitten in der City zwischen Staub und Straßenlärm / Wächst ne grüne Beule aus dem Stadtgedärm / Dort hängen wir zum Weekend die Lungen in den Wind / Bis ihre schlappen Flügel so richtig durchgelüftet sind.» (Wer kennts?)
Das Museum der Dinge in Berlin zeigt aktuell und noch bis zum 03. März die Ausstellung «Scherben», ein Projekt der beiden Künstler Sonya Schönberger und Christof Zwiener und dem Werkbundarchiv.  «641 objects without qualities» – erosionsbedingt vom Schoss der Mutter Erde freigegeben oder ausgebuddelt, exhumiert … gesammelt, installiert, ausgestellt … und fragend betrachtet.  Das Museum, ein voluminöses «Zeitfenster» zum Gucken in die Vergangenheit, Fühlen im Augenblick und zum Denken in die Zukunft und ein Heim für Scherben mit «musealer Erinnerungsfunktion». Und schon stehen wir vor einem grossen Haufen Scherben-Metaphorik.

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