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Design

Neuheiten? Nachlese zur imm cologne

Auslage an der Körnerstrasse in Ehrenfeld. Die Inhaberin des Geschäfts konnte sich nicht mehr an den Namen der Messe erinnern. News mal anders.

Auslage an der Körnerstrasse in Ehrenfeld. Die Inhaberin des Geschäfts konnte sich nicht mehr an den Namen der Messe erinnern. News mal anders.

Es ist schon so: Als Designjournalist geht man wegen der Neuheiten an die Messen. Und schämt sich im gleichen Zug für die stetige Frage nach den aktuellen News. Denn irgendwie machen sich auch gewisse Ermüdungserscheinungen im Designkarussell bemerkbar. Das Motto der Hersteller scheint zu lauten: das gleiche nochmals in Hellgrün. Man darf und will es diesen auch nicht verübeln. Denn trotz der vielen tollen Ideen angehender, junger oder arrivierter Designer, trotz der zum Teil ungewöhnlichen und neuartigen Objekte, die man an solchen Veranstaltungen zu sehen bekommt, fragt man sich ernsthaft: Für wen sind alle diese Sachen? Wer kauft das alles? Wen interessieren sogenannte Trends? Gibt es solche wirklich oder ist das Geschwafle darüber alles hohles Blabla? Klar, irgendwann kommt der Moment, an dem man sich das coole Designersofa endlich leisten kann. Klar, es gibt Tendenzen, die in der Luft liegen (und die sich dementsprechend in Möbelstücke übertragen lassen). Klar, die Welt ändert sich mit jedem Tag. Aber genau so hängen wir doch an Altem, am abgenutzten Stuhl der Grossmutter (gar wieder nur ein Trend?), an der zerfledderten Decke, die man mal auf einer Reise gekauft hat. Wir sind newssüchtig (zumindest wir Journalisten) und Nostalgiker zugleich.

So ein anheimelndes Gefühl der Nostalgie überfiel mich, als ich mich neulich ausserhalb der akuten Newszone in Köln herumtrieb (natürlich auf der Suche nach: Neuheiten). In einer Auslage entdeckte ich eine handgeschriebene Notiz, die «Messe Neuheiten» anpries. Auf die Frage von welcher Messe die ausgestellten (neuen) Armbänder stammten, wusste die Inhaberin aber keine Antwort. «Ist ja egal, hat mir der Vertreter gebracht, wenn sie sich nicht verkaufen, dann nehm ich sie wieder raus». Wobei der leise Verdacht aufkam, dass der Besuch des Vertreters schon eine Weile zurückliegen könnte. Während ich weiter die Körnerstrasse entlang ging, musste ich laut lachen. Die gesunde Distanz der Dame verbesserte meine etwas ramponierte Laune schlagartig. Etwas mehr Unbekümmertheit in Sachen Herstellungstempo, Messestress und dem ganzen Traritrara drumherum wäre vielleicht auch für die Designwelt wohltuend.

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