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Architektur

ewz selection: Tag der Architektur

Am Tag der Architektur befragte Meret Ernst (Hochparterre) die Autoren drei besten Beiträge aus der Kategorie Architektur.

Am Tag der Architektur befragte Meret Ernst (Hochparterre) die Autoren der drei besten Beiträge aus der Kategorie Architektur. Ganz links: Roland Bernath, rechts davon: Claudia Luperto, ganz rechts: Jürg Zimmermann

In der Halle des ehemaligen ewz-Unterwerks werden jährlich die besten Arbeiten des Swiss Photo Awards (ewz selection) gezeigt. Der Dienstag, 21. Mai, stand im Zeichen der Architektur. Neben Portfolio Visionierungen durch Profis fanden verschiedene Veranstaltungen zum Thema Architekturfotografie statt. Am Abend diskutierte Meret Ernst (Hochparterre) mit den Autoren der drei ausgezeichneten Arbeiten in der Kategorie Architekturfotografie. Neben ihr auf dem Podium sassen die Gewinnerin Claudio Luperto sowie ihre Kollegen Jürg Zimmermann und Roland Bernath. Claudio Luperto überzeugte die Jury mit vier stimmungsvollen Bildern, die im Zusammenhang mit einer Publikation zum Werk von Peter Kunz entstanden. Jürg Zimmermann wurde für seine ungewöhnliche Arbeit «Berg und Tal» prämiert, während Roland Bernath mit seinen präzisen Fotografien des Bunderverwaltungsgericht in St.Gallen von Staufer & Hasler unter die drei besten kam. Zimmermann und Bernath sind beide diplomierte Architekten: Dieser Umstand bildete auch den Einstieg in die Gesprächsrunde. Meret Ernst fragte nach dem spezifischen Blick des professionell mit Architektur vertrauten Bildermachers.
Dabei zeigte sich, dass das geübte Auge des Architekten das Lesen der Räume zwar erleichtere, eine genaue Vorbereitung durch Studieren der Pläne jedoch auch für die fachfremde Gewinnerin unerlässliche Voraussetzung für die Arbeit sei. Auch Gespräche mit den Auftrag gebenden Architekten sowie eine Begehung des Ortes gehen dem fotografischen Festhalten der Bauten in jedem Fall voraus.

Was aber ist und soll Architekturfotografie? Solche um die Frage nach der Aufgabe der Architekturfotografie kreisenden Themen wurden an diesem Tag mehrfach angeschnitten. Es traten ganz unterschiedliche Ansätze zutage, welche sich aber nicht zwingendermassen ausschliessen müssen. Alle drei Beteiligten waren sich darin einig, dass  je nach Aufgabe und Gebäude beim Fotografieren sowohl eine dokumentierende wie auch eine eher atmosphärische Perspektive auf das Objekt möglich ist. Denn ob man einen Raum im leeren, sozusagen jungfräulichen Zustand oder bereits belebt fotografiert, hat eine ganz unterschiedliche Aussage. Zudem sind ja Bauten nicht rein autonome Gegenstände, sondern fügen sich in einen bestimmten Kontext, ein Umstand der oft ausgeblendet werde, wie Jürg Zimmermann bemerkte. Seine Arbeit, die Bauten in der Landschaft portraitiert, zeigt den Dialog zwischen gebauter und natürlicher Umgebung sehr schön. In diesem Zusammenhang wurde einerseits die Manipulation seitens der Architekten, die oftmals zu einer ikonenhaften Darstellung ihrer Werke tendieren, wie auch die teilweise unsensible Praxis beim Publizieren der Bilder in den Medien kritisiert (insofern wäre die Veranstaltung gerade für ADs und Grafiker besonders aufschlussreich gewesen). Dieser Gefahr könne man damit begegnen, dass man möglichst wenig Bilder abliefere, meinten alle drei Fotografen.

Zum Schluss erkundigte sich die Moderatorin nach dem Einfluss der in der Architektur omnipräsenten Visualisierungen auf die Arbeit der Anwesenden. Man könne sich dieser Tendenz kaum entziehen, lautete der Tenor, auch wenn das Abbild der Realität ganz andere Qualitäten besitze. Diesbezüglich bemerkte Roland Bernath, würden sich die Architekten oft selber etwas vormachen – schliesslich sind das Rendering und der realisierte Bau zwei vollkommen verschiedene Objekte, die eigentlich nur die visuelle Hülle gemeinsam haben. Auf die aus dem Publikum vom Fotografen Hannes Henz vorgebrachte Bemerkung, die Frage der Architektur als Raumkunst und der Umgang damit in der Fotografie, sei beim Gespräch zu kurz gekommen, begegnete Meret Ernst mit einem versöhnlichen  Schlussvotum. Für das Entstehen eines guten Bildes sei in erster Linie ein genuines Interesse an Architektur notwendig, meinte sie.

Ein der vier Bilder der Gewinnerin Claudia Luperto.

Ein der vier Bilder der Gewinnerin Claudia Luperto.

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Das Bunderverwaltungsgericht in St. Gallen (Staufer & Hasler), fotografisch festgehalten von Roland Bernath.

Bild aus der Serie "Berg und Tal" von Jürg Zimmermann.

Bild aus der Serie “Berg und Tal” von Jürg Zimmermann.

 

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