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Design

Design als Evolution

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Konstantin Grcic bei Magis

 

Das Ideale Heim konnte am Salone del Mobile an einer Gesprächsrunde mit Konstantin Grcic teilnehmen. Obwohl er eine Stunde zu spät zum Termin erschien, war man dem Ausnahmetalent keinesfalls böse. Seine zurückhaltende Art und differenzierte Ausdrucksweise machen ihn zum idealen Gesprächspartner, wenn es um Grundsatzfragen rund um das Thema Design geht.

Zum Einstieg unterhielten wir uns über sein neues Projekt für Magis, die Kollektion «Traffic». Dabei setzte sich Grcic mit dem Werkstoff Draht auseinander. Die Stücke sollten etwas Einfaches und Industrielles ausstrahlen. Drähte bildeten in der Designgeschichte wiederholt die Basis für legendäre Entwürfe wie beispielsweise die berühmten «Wire Chairs» von Harry Bertoia. «Nichtsdestotrotz habe ich versucht, meine eigene Interpretation des Materials zu liefern», erzählt er. «Das Hauptproblem bei diesem Material ist, dass man schliesslich nicht auf den Drähten sitzen will. Es braucht also Kissen, obwohl die Teile eigentlich schöner wären ohne diese», erläutert er die Ausgangslage.

Zuerst wurde also eine externe Struktur gebaut, die eine Art Käfig bildet, dann wurde diese mit Polsterelementen gefüllt. Die augenfälligste Referenz, die Grcic damit kreiert, ist diejenige zum «Grand Confort» von Le Corbusier. Das Sympathische an Grcics Umgang damit, ist die Selbstverständlichkeit, mit der er über solche Bezugnahmen spricht.

Bild

Sessel aus der Kollektion “Traffic”

«Trotz diesen Referenzen ist es uns gelungen, für dieses Projekt eine eigene Grammatik und Logik zu schaffen», meint er gelassen. Der Bezug zu sprachlichen Elementen zeigt, wie akribisch durchdacht Grcics Entwürfe jeweils sind. Nach der Notwendigkeit eines Zurückgreifens auf bestehende Formen gefragt, antwortet er lächelnd: «Ich wusste, dass diese Frage aufkommen würde. Wenn ich auf eine Ikone Bezug nehme, geschieht das oft über Umwege. Es ist keine bewusste Wahl. Und schliesslich haben auch die Meister des Designs dieses nicht erfunden. Man kann in der Geschichte beliebig zurückgehen. Design funktioniert wie vieles als Evolution», gibt er zu bedenken. «Design ist ein Prozess des Überarbeitens», meint er schliesslich.

Neben den historischen Referenzen wurde ein weiteres Tabouthema angeschnitten, die Frage der Bequemlichkeit von Design. Eine Journalistin kritisierte, Grcics «360° Chair»(auch für Magis) sei alles andere als komfortabel. «Bequemlichkeit ist für mich nicht ein primäres Kriterium. Es geht für mich auch darum, etwas zu entwickeln, das unsere gängige Erfahrung herausfordert. Sie müssen ja nicht zwingend 9 Stunden auf einem Stuhl sitzen. Es gibt ja auch Situationen im Alltag, in denen es von Vorteil ist, nicht auf einem Stuhl einzuschlafen», meint er mit einem Schmunzeln. «Manchmal sitze ich so auf dem «360° Chair», dass ich damit meinen Rücken kratzen kann, das ist ganz nett zur Abwechslung. Es kommt auf die Situation an. Schliesslich tragen Sie auch nicht den ganzen Tag Birkenstock Schuhe», doppelt er nach. Und führt dabei gleich verschiedene Sitzpositionen auf seiner Kreation vor.

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