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Architektur

Teehausgespräch im Aargauer Kunsthaus

Das Werk des Künstlers Christian Marclay (wuchs in Genf auf und zog später in die USA, wo er auch heute noch lebt) ist stark inspiriert von der Comic-Ästhetik. Eine wichtige Inspirationsquelle bildet auch die japanische Kultur, insbesondere die japanische Bildrolle. Für seine Ausstellung «Action» im Aargauer Kunsthaus sprach der Künstler den Wunsch aus, einen Pavillon zu integrieren, der sich an der japanischen Teehausarchitektur orientieren sollte. Als Architekten für diese temporäre Installation, die auch als Bühne für verschiedene Events und Performances dient, wählte er das Büro Fuhrimann Hächler. Gabrielle Hächler und Andreas Fuhrimann wurden eingeladen über die Zusammenarbeit mit Marclay zu sprechen sowie (im Gespräch mit der Japanspezialistin Katharina Epprecht) über Japan als Inspirationsquelle ihrer Arbeit zu referieren. Als Einstimmung in das Thema führte die Teemeisterin Soyu Yumi Mukai (Museum Rietberg) eine vereinfachte und modernisierte Version einer japanischen Teezeremonie vor. Dabei erwies sich das einfach gebaute Teehaus (das verwendete Sperrholz hat fast etwas Tapetenhaftes) als Ort, der den traditionellen Gesten und Stimmungen dieser jahrhundertalte Zeremonie den gebührenden Raum bot, und dabei  zugleich einen Dialog mit den heutigen Arbeiten des Künstlers erlaubte. Im Referat der beiden Zürcher Architekten wurde die erstaunliche Modernität alter japanischer Häuser vorgeführt. Elemente wie Asymmetrie, oder Einfachheit sowie das Temporäre prägen auch das Werk von Fuhrimann Hächler. Katharina Epprecht betonte dabei, dass die wesentlichen Überlegungen beim Bau eines Teehauses nicht ästhetischer, sondern geistiger Natur seien. In Japan waren denn die ersten Architekten Teemeister. Der Teeraum soll ein Ort der Abgeschiedenheit sein, der der Erleuchtung dient. Er ist primär als leerer Raum gedacht. Dieser Leere mehr Platz einzuräumen, könnte der westlichen Zivilisation, die quasi unter einem Horror vacui leidet, als Therapie dagegen verschrieben werden. Marclays Werk allerdings nimmt sich die künstlerische Freiheit, Leere und Fülle koexistieren zu lassen; es zeigt sehr schön, dass Kunst eine multisensorische und komplexe Angelegenheit ist, bei dessen Betrachtung man vielleicht so etwas wie Erleuchtung erfahren kann. Bis Ausstellungsende am 15. November stehen weitere Gespräche und Performances auf dem Programm.

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