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Archiv Mai, 2014

Architektur für Weltmeister

Mit Fussball habe ich wirklich überhaupt nichts am Hut. Nicht einmal alle vier Jahre, wenn das WM-Fieber ausbricht und das Interesse der diszipliniertesten Ball-Muffel von High Heels auf Stollenschuhe wechselt und die Zahl 11 urplötzlich die magische Wirkung eines Harry Potter-Bandes erhält. Nichtsdestotrotz wage ich den mutigen Versuch, mich meiner Aversion gegen diese Sportart zu stellen, zumal ich so das Risiko verringere, während den nächsten Rio-verklärten-Wochen meinen gesamten Freundeskreis zu verlieren. Helfen soll mir dabei das Buch Fussball-Wunder-Bauten, das mithilfe von Interviews, Reportagen und vor allem mit emotionsgeladenen Bildern das Ereignis im Stadion abhandelt. Dabei sind es hauptsächlich Gesprächspassagen mit Stadion bauenden Architekten, wie etwa Volkwin Marg (gmp) oder Jacques Herzog (Herzog & de Meuron), die mir den Zugang zum Ball und zum Fuss ermöglichen könnten. Denn, mal ganz ehrlich, wenn Architektur ins Spiel kommt, beginnt doch das matteste Ballleder zu glänzen und die Jubel-immunsten Ohren können sich den La-Ola-Wellen nicht mehr verschliessen… Naja, jedenfalls scheint Andreas Bock, Autor der Fußball-Kultzeitschrift 11Freunde und Alexander Gutzmer, dem Chefredakteur des Architekturmagazins Baumeister ein ganz ansehnlicher Band über zwei bewegende Themenbereiche gelungen zu sein. Ob ich mich allerdings tatsächlich zum dramatisch-tragischen Rasen-Theater bekehren lasse, entscheide ich nach der Lektüre und nicht nach der WM.

Bilder: Callwey und Baunetz

Urbane Behausung

Seit Kurzem erheben sich zwei Schiffscontainer über Wil. Auf dem Dach des «Kraftwerk» haben Maja Edelmann-Grob und Roger Edelmann von Arson Architektur ein unkonventionelles Wohnhaus geschaffen. Ursprünglich war die Aufstockung als Erweiterung für das im «Kraftwerk» ansässige Architekturbüro gedacht. Aber der Gründer des ebenfalls im Gebäude beheimateten Fitnesscenter «Update» interessierte sich für eine Wohnnutzung über den Dächern der Stadt. Die Architekten fanden gefallen an der Idee und stellten eine Anfrage an Ikea um die Container komplett einzurichten. Die 4,8 Tonnen schweren Container aus Bremerhaven bieten im Zusammenschluss 65 Quadratmeter Platz und eignen sich ideal als Versuchsobjekt für die Designkollektion Ikea «PS 2014». Diese Möbelpalette bietet verschiedene Stücke, die auf das Konzept «Small Space Living» ausgerichtet sind und die idealen Begleiter für Menschen, die öfters mal umziehen. Das Resultat lässt sich sehen. Die moderne Stadtwohnung ist funktional und kompakt. Schlafzimmer, Küche und das Wohnzimmer gehen fliessend ineinander über. Nur das Bad ist in einem separaten Raum untergebracht und auch im Arbeitszimmer lässt sich die Tür bei Bedarf schliessen. Eine grossflächige Aussenterrasse bietet Platz für einige Obstbaumkübel und natürlich das ein oder andere Fest mit Freunden.

Interieur Awards 2014: Gewinner der Kategorie Objects

Letzte Woche wurden die Gewinner der Interieur Awards 2014 in der Kategorie «Objects» bekannt gegeben. Die seit 1968 im zweijährigen Rhythmus in der belgischen Stadt  Kortrijk stattfindende Biennale Interieur ist international bekannt für ihre sorgfältig kuratierte Präsentation zeitgenössischen Designs. Ausstellungen, Vorträge und Diskussionsrunden bilden ein kulturelles Begleitprogramm für ein interessiertes Publikum. Die Interieur Awards (welche 1972 eingeführt  und 2012 durch die Kategorie «Spaces» erweitert wurden) gelten als Sprungbrett junger Talente in die internationale Designindustrie. Eine vierköpfige Jury kürte aus 240 Einsendungen 20 Gewinner. Den mit 2500 Euro dotierten Hauptpreis erhielt das italienisch-japanische Designduo Minale Maeda aus Rotterdam für ihren mit 3D-Druckverfahren hergestellten «Keystone Table». Der Preis wurde einstimmig verliehen: «Zum ersten Mal in meiner Laufbahn als Möbelhersteller sehe ich die digitale Drucktechnik sinnvoll und clever im Produktdesign eingesetzt», kommentierte Jurymitglied Rolf Hay, Gründer des dänischen Möbelherstellers HAY. Die 20 Gewinner werden im August zu einem Workshop im Domaine de Boisbuchet eingeladen: Dort können sie ihre Prototypen realisieren und die Präsentation während der Biennale Interieur 2014 vorbereiten. Ein ganz gezielte Förderung, die heutzutage für die Jungdesigner viel wert ist.

Zu Gast bei George

Gestern Vormittag war die Presse geladen, um das neue Zuhause von «George» im Haus OBER mitten in Zürich zu besichtigen und sich das Konzept erläutern zu lassen. Am Abend wurde ein rauschendes Einweihungsfest gefeiert, wie in diesem Film, der in der Perspektive von «George» durch sein, mit Gästen gefülltes, Penthouse führt. Mehr über das Design Konzept und die fiktive Person «George» von Leopold Weinberg und Adrian Hagenbach von WAC und die Vertiefung und Umsetzung durch Jasmin Grego und Stephanie Kühle von GREGO Architektur lesen Sie demnächst in einem «Schlusspunkt» im Magazin UMBAUEN+RENOVIEREN. Bis dahin können Sie sich aber schon mal selbst einen Eindruck machen. «George» freut sich bestimmt!

Das ist Kopenhagen!

Nordaffinen Menschen (also Fischköppen in spe) muss niemand erklären, wie toll Kopenhagen ist. Designaffinen Menschen eigentlich auch nicht. Eine kleine Gruppe ausserordentlich Engagierter wollen es dennoch. Aus Dänemark kommen demzufolge nicht nur bedeutende Designer, sondern auch Kommunikationsprofis. Die gibt es hier – naja, nicht gerade wie Sand am Meer – aber dennoch viele, und etliche sind exquisit. Spannen Klasse-Kreative und Klasse-PR-Spezis zusammen, gibt es kein Bremsen mehr! Und abgesehen davon, dass Danish-Design der momentane Trend schlechthin ist, darf gesagt werden, dass es auch für den einen oder anderen Verkäufer bei den Dänen etwas abzugucken gibt. «3days of design» sind drei propere Tage, die Designinteressierte mir Gier verschlingen und Designuninteressierte verführen, zu degustieren (um sich dann ebenfalls die Sinne vollzuschlagen). Der erstmals stattfindende Event ist eine Art Prototyp, für den sich die Kopenhagener Szene fragte: Was kann Mailand, was wir nicht können? Wobei es den Dänen nicht darum geht, den Salone zu kopieren, sondern eine eigenständige Plattform für Design zu zimmern – eine, die auch der einige Kilometer entfernten Mentalität entspricht, keine Giga-Messe ist, dafür eine Option, zu schauen, zu reden, zu verstehen, was und wer Danish-Design ist. Zum Presse-Tauchgang eingeladen, komme ich mit Salz auf der Haut, zerpflücktem Haar und verzogenem Hals zurück, dafür mit weiteren tausend Argumenten, warum Kopenhagen einfach cool ist. Nächstes Jahr am selben Ort, zur gleichen Zeit? Hoffentlich wird die Begeisterung der Besucher die Macher so sehr motivieren, weiterzumachen und den «3days of design» in Zukunft ein fixes Datum zu geben. In der kommenden Ausgabe von DAS IDEALE HEIM folgt eine kleine Zusammenfassung über das Erlebte. An die Organisatoren nochmals «Mange tak!» und bis zum nächsten Mal!

Textil 13: Chuchituech

Jeder hat es Zuhause, doch niemand schenkt ihm sonderlich grosse Beachtung: Das Küchentuch. In unserem Alltag hat es jedoch einen festen Platz und wird täglich gebraucht. Grund genug, dass “textil 13” das Küchentuch im Ortsmuseum Meilen in den Mittelpunkt rückt. Vier unterschiedliche Bereiche (technische, historische, soziokulturelle und künstlerische) befassen sich ausführlich mit dem Küchentuch und stellen es in den Mittelpunkt. Dabei lernt man nicht nur aus welchen Materialien ein Küchentuch gewoben ist, sondern auch wie es sich seit der Zeit unserer Vorfahren verändert hat. Zudem sucht der künstlerische Bereich neue Schnittstellen und lotet Grenzen aus.

World Interiors Day 2014

Damit Themen rund um die Innenarchitektur einem breiten Publikum zugänglich werden, veranstaltet die VSI.ASAI (Vereinigung Schweizer Innenarchitekten/-architektinnen) auch dieses Jahr wieder die World Interiors Day. Der Anlass beruht auf einer Initiative der IFI (International Federation of Interior Architects/Designers) und findet kommenden Samstag (24. Mai) beim Schweizer Heimatschutz in der Villa Patumbah in Zürich statt. Unter dem Motto «Design Matters» wird in den Räumen dieser aussergewöhnlichen Lokalität ein reichhaltiges Programm geboten. So finden verschiedene Führungen statt und renommierte Innenarchitekten halten zu bestimmten Themen Vorträge. Der Anlass ist kostenlos und sollte auf keinen Fall verpasst werden!

Monster

 

Schaukelmonster von Constantin Bolimond aus Moskau, Russland.

Schaukelmonster von Constantin Bolimond aus Moskau, Russland.

Wer als Kind eher zu den gefährlichen Seepiraten gezählt hat, denn zu den zartbesaiteten Ponyprinzessinnen schaukelt mit den Schaukelmonstern von Constantin Bolimond genau richtig. Egal ob Hai, Oktopus oder Fantasiewesen, die in Holz mit knalligen Kontrastfarben gestalteten Schaukeltiere machen sich nicht nur im Kinderzimmer gut und tragen auch gerne mal einen Erwachsenen durch aufregende Abenteuer. (mehr …)

Modern America – 20th Century Design

Die in Frankfurt ansässige Design-Galerie Frank Landau zeigt in der Galerie Dierking in Zürich bis zum 7. Juni eine Auswahl einzigartiger Objekte, die Frank Landau auf seinen Reisen in Nord- und Mittelamerika zusammengetragen hat. Der Fokus liegt dabei auf Gestaltern, die auch für europäische Designer inspirierend waren, wie Charles und Ray Eames, George Nakashima, T.H. Robsjohn Gibbings oder Edward Wormley. Die Kombination der Möbelstücke mit Skulpturen afrikanischer Provenienz funktioniert sehr gut und beweist auch die Zeitlosigkeit der gezeigten Entwürfe. Auch bezüglich der Preislage sind die Stücke durchaus vergleichbar mit zeitgenössischem Design, dem es zuweilen an Eigentümlichkeit mangelt. Eine Gelegenheit, Design aus den USA aus einer neuen Perspektive zu sehen.

Fünf Häuser in zwei SIA Tagen

Achtung Bilderflut! Doch ich will kurz die Gebäude vorstellen, die ich am letzten Wochenende kennenlernen konnte. Kennenlernen, fragen Sie sich jetzt? Menschen lernt man kennen, ja. Ich finde da aber Parallelen. So, wie mir Charaktereigenschaften an Menschen gefallen oder eben nicht, finde ich Themen an Gebäuden, die mir zusagen und andere, die mir eher «unsympathisch» sind. So kann mir ein Gebäude gefallen, weil die Äusserlichkeiten (Materialisierung) schön sind oder unsere Grundeinstellung (Villa oder Genossenschaft) übereinstimmt, mich der Tiefsinn (räumlicher Reichtum) in seinen Bann zieht oder die Konstruktionsweise (hier wird es schwieriger einen passenden Vergleich zu finden – Bodenständigkeit? Bildung?) interessant ist.  Wie bei den Menschen auch spielen die verschiedenen Faktoren zusammen. Und müsste ich sie auf den Punkt bringen, haben wir da das Mehrgenerationenhaus mit der «Balkonschicht, die verbindet», die Hausskulptur am Waldrand mit Traumsicht über Zürich, die schwarze Villa mit dem Schrägdachbonus, die innen ganz weiss ist. Dann eine Umnutzung von Büros und Lager zu Wohnungen in einer schönen Altbausubstanz, bei der die Materialisierung aber schwächelt ( … doch Äusserlichkeit ist ja nicht alles. Dafür gibt es Gemeinschaftsbalkone.) Und zu guter Letzt sind da 22 Alterswohnungen im Holz-Hybridbau (mit Betondecken) und einer Fassade und Kubatur, die an Mondrian Collagen erinnert. Hier also meine fünf neuen Bekanntschaften von den SIA Tagen. Angefangen mit der «Giesserei» in Winterthur von Galli Rudolf Architeken. (mehr …)

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