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Archiv März, 2014

Dadadum bei teo jakob

Das Schweizer Möbellabel Dadadum, 2012 von Tessiner Grafikdesigner Demian Conrad ins Leben gerufen, präsentiert sich endlich auch im Norden der Schweiz. Die Entwürfe sind bei teo jakob im Löwenbräu-Areal bis zum 25. April zu sehen. Demian Conrad war an der Eröffnung der Ausstellung vor Ort und erklärte seine Motivation. Die drei ersten Würfe der Marke führen es vor Augen: Es geht hier um Solidität. Und zwar sowohl bezüglich der Materialität und der Form (ehrliche Schweizer Werkstoffe, schnörkellose Schnitte, keine Farbe) als auch der Botschaft, welche die Marke vermitteln möchte: zurück zu den Wurzeln der «guten Form», zurück zu den Vorreitern der Schweizer Designkultur aus den 40erJahren! Aber nicht im Sinne von nostalgischem Kultivieren der Tradition, sondern eher als Akt des Weiterdenkens und Weiterentwickelns. Eine klare Ansage also. Die Designer hat Conrad mit Bedacht gewählt: Es sind selbstverständlich Schweizer, sie haben einen gewissen Bekanntheitsgrad («Schliesslich wollen die Leute  auch Namen», meint Conrad dazu) und sie stehen mit ihrer gradlinigen Formensprache für die Urqualitäten des Schweizer Designs. Der Gründer möchte weiterhin mit wenig Designern arbeiten, dafür eine intensive Zusammenarbeit pflegen. Dieses klar formulierte Programm, das auch stark territorial verankert ist, hat dennoch auch eine verspielte Note. Der Name «Dadadum» spielt mit dem Bezug zum (in der Schweiz geborenen) Dadaismus. Vielleicht war es an der Zeit, dass Dada nach 96 Jahren seine Spur auch im Design hinterlässt. «Blago bung, blago bung» (Hugo Ball) und – dumdumdum. Da da!

Grand Palais Paris – neue und alte Liebe

Dem Grand Palais bin ich schon als kleines Mädchen verfallen und er ist noch immer eines meiner liebsten Gebäude in Paris. So war ich mässig begeistert, als ich von der Ausschreibung hörte, den Grand Palais zu modernisieren. Denn allzu oft misslingen solche Transformationen. Meist weil das Neue mit dem Alten in Konkurrenz tritt statt mit diesem eine Symbiose einzugehen oder weil die Kreativen ihre Ideen – mit denen sie den jeweiligen Wettbewerb gewonnen haben – schliesslich doch nicht konsequent umsetzen dürfen und seltsame Kompromisse geschlossen werden, die weder dem Alten noch dem Neuen gerecht werden. Umso erfreuter war ich, als ich obige Bilder zugesandt bekam. Als Gewinner des Wettbewerbs zur Restauration und Renovation mit Redesign des Grand Palais wurde dem 2002 von Benoît Jallon und Umberto Napolitano gegründeten Architekurbüro LAN (Local Architecture Network) Paris nun die Ehre und Verantwortung zuteil, eines der schönsten Wahrzeichen von Paris zu transformieren. Die beiden und ihr Team verstehen das Tätigkeitsfeld Architektur als die Schnittmenge verschiedener Disziplinen, was sie dazu treibt unter Einbezug sozialer, urbaner, funktionaler und formaler Fragestellungen immer neue Felder zu erforschen. Mit dem Ziel, elegante zeitgemässe Antworten zu kreieren für kreative wie pragmatische Belange. Dies ist ihnen mit den Eingriffen am Grand Palais ebenso gelungen wie dessen Historie und Anspruch, eine Kulturmaschine zu sein, zu respektieren und zu stärken. Die Neugestaltung bezieht auch Aussenräume bis zu Dachwegen hoch über und mit Blick auf Paris mitein und bietet dereinst noch mehr Raum sowie Infrakstruktur für verschiedenste kulturelle Veranstaltungen. Auf die ich mich ebenso freue wie darauf, bald die Zinnen des Grand Palais mit drei anderen grossen Paris-Lieben von mir bekannt zu machen und in einen seeligen Zuckerschock zu verfallen mit meiner geliebten heissen Schokolade von Angelina – die es mittlerweile auch zum Mitnehmen im Becher und in Flaschen für zu Hause gibt – und einem Tartelette aux Pommes sowie ganz vielen Punitions (den unscheinbaren «Bestrafungen» verfällt man nach dem dritten restlos) von Poilâne.

Der Himmel auf Erden

Als Yoga-Fan bin ich ja sowieso schon seit Längerem begeistert von Galaxy Leggins. So trug ich die Meinige vor Kurzem – als Universum verkleidet – zur Fastnacht. Dass mich meine Freunde seither nur noch Miss Universe nennen, war so nicht geplant. Ehrlich! Aber dies nur als Vorgeschichte zu den genial galaktischen Teppichen von Schönstaub, über die ich kürzlich virtuell im Web-Universum stolperte. In echt würden Sie selbstverständlich NICHT über diese Teppiche stolpern, denn die sind von höchster Qualität. Dann schon eher niederknien und sich drauflegen, wie es die Künstler Veli & Amos taten, die sich so in Teppich gewordener Materie verewigen liessen (siehe fünftes Bild).
Doch zurück zum schönen Sternen-Staub: 2010 begegneten sich David Schönen und Nadja Stäubli an der ZHdK, die heute das Designteam mit dem poetischen Namen Schönstaub bilden. Sie produzierten bereits während des Studiums den ersten Teppich, der die Sterne vom Himmel holt. Seither kollaborieren sie mit einem Schweizer Familienunternehmen, das seit 1892 besteht. Neben den eigenen Kollektionen bieten sie auch massgeschneiderte Teppiche. Falls Sie als Firma Ihre Büroräume originell und in hoher Qualität mit neuem Teppich aufwerten wollen oder als ArchitektIn für das Interieur eines Projektes etwas Ausgefallenes suchen, sind Sie bei Schönstaub an der richtigen Adresse. Für die technische Umsetzung arbeiten die jungen Designer mit Schönherr zusammen, dem Spezialisten im Bereich des Webmaschinenbaus. Hergestellt werden die Kunstwerke von Iranischen Produzenten. Zukünftig können Sie also einfach auf den Boden starren und dabei über die eigene Existenz und das Universum philosophieren.

Baumhaus

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht – der Baum war nicht wirklich die grösste Herausforderung, mit der sich 6A Architects beim Ausbau eines Londoner Wohnhauses auseinanderzusetzen hatten. Doch die Besitzerfamilie des Anwesens liebt ihre kleine grüne Oase und sie liebt ihr Zuhause – zwei winzige Backsteinhäuschen aus dem Jahr 1830, die in den 1970er-Jahren zu einer Einheit zusammengefügt wurden. Problem und tatsächliches Hindernis wurden die unterschiedlich hoch angesiedelten Erdgeschosse der denkmalgeschützten «Weaver-Cottages», und da die Frau des Hauses zukünftig auf einen Rollstuhl angewiesen sein wird, musste ebenerdig Platz für ein Schlafzimmer mit angegliederter Nasszelle geschaffen werden. Die Lösung ist nun wie selbstverständlich in den Garten eingebettet: Ein Holzanbau, der seinen Anfang an einer verglasten Veranda findet, sich um den zentralen Punkt im Garten – einen Baum – windet, um sich schliesslich zu einem grosszügigen neuen Schlafzimmer mit Badezimmer zu erweitern. Die Veranda dient dabei als Bindeglied zwischen den Räumen der Erdgeschosse, dem neuen Anbau und dem Garten. Somit sind alle Bereiche schwellenlos und vollständig mit dem Rollstuhl erreichbar. Da ist auch ein Baum kein Hindernis.

Fotos: 6A Architects.

 

 

Basel, Museen und Jugendherberge

Ein Wochenende in Basel ist eine kurzweilige Alternative, um mal wieder aus Zürich raus zu kommen. Deswegen habe ich mit zwei Kolleginnen einen Ausflug unternommen, um Basel zu erkunden und zwei Ausstellungseröffnungen zu besuchen. Letzten Freitag, am 21. März 2014 ging es los zum Vitra Design Museum nach Weil am Rhein. Das liegt zwar nicht in Basel, aber nicht weit davon und ein Ausflug lohnt sich immer. Schon allein wegen der vielen beeindruckenden Gebäude, wie das Design Museum von Frank Gehry oder das VitraHaus von Herzog & de Meuron, in dem seit 2010 nicht nur geshoppt wird, was das Zeug hält, sondern auch in angenehmer Atmosphäre Kaffee und Kuchen genossen. Wir fuhren zu Vitra um bei der Eröffnung der neuen Ausstellung «Panorama» über Konstantin Grcic dabei zu sein. Konstantin Grcic und Mateo Kries, der Museumsdirektor, führten durch die Ausstellung und erklärten und erzählten viel über die verschiedenen Stationen. Dabei ging es nicht nur um die Designobjekte, Konstantin Grcic hat auch verschiedene Installationen, «Ausstellungszeitungen» und Videos integriert, die über seine Arbeit und seine Zukunftsvorstellungen informieren. (mehr …)

Die Gruppe Okolo im Depot Basel

Die 21. Ausstellung im Depot Basel widmet sich der Tschechischen Gruppe Okolo. Okolo wurde 2009 in Prag als transdisziplinäres Kollektiv gegründet. Die vier Initianten des Projekts, Adam Štech, Jakub Štech, Matej Cincera und Jan Kloss thematisieren auf unabhängige und eigenständige Weise Gestaltung in allen Facetten. Okolo ist ein Seelenverwandter von Depot Basel mit dem Unterschied, dass das Herz der Gruppe ein virtuelles ist: Ihr Blog ist ein digitales Archiv für Vergangenes und eine rege benutzte Plattform, auf der die fortdauernde Auseinandersetzung von Okolo mit den Bereichen Design, Architektur, Mode und Darstellende Kunst sichtbar wird. Die Ausstellung «Okolo Offline», die nächsten Freitag eröffnet wird, möchte die Motivation und das Engagement der Tschechischen Gruppe zeigen und erforscht, wie sich digitale Inhalte adäquat ins Analoge transferieren lassen. Besucher haben in der Ausstellung Gelegenheit, einen Einblick in die vielseitige Tätigkeit von Okolo zu gewinnen sowie einzelne Objekte käuflich zu erwerben.

 

 

Küchengärten

Die ausgebildete Gärtnerin, Diplom-Kulturwirtin und Journalistin Kathrin Hofmeister gibt Einblicke in drei grosse Anlagen von Schloss Ippenburg, De Boschhoeve und des Kaldenhofs sowie in kleine kreative Küchengärten.

Die ausgebildete Gärtnerin, Diplom-Kulturwirtin und Journalistin Kathrin Hofmeister gibt Einblicke in die grossen Anlagen von Schloss Ippenburg, De Boschhoeve und des Kaldenhofs sowie in verschiedene kleine kreative Küchengärten.

Die pünktlich zum kalendarischen Frühlingsanfang nicht nur sonnigen, sondern auch warmen Tage gestern und heute machten mir Lust, noch vor dem Wochenende mit den Verschönerungsmassnahmen für meine Dachterrasse zu beginnen. Abgesehen von meinem immer tapfer überwinternden Oleander und dem alljährlichen Bambusversuch – weil der so wunderbar rauscht und Inselwetter-Gefühle weckt – müssen Gewächse auf meiner Dachterrasse drei Kriterien erfüllen: schön anzusehen, biologisch und ertragreich. Tomaten, von unglaublich geschmacksintensiven Johannisbeer-kleinen bis Ochsenherz, sind meine Favoriten. Ich liebe nicht nur ihre Geschmacksvielfalt, sondern auch einfach nur ihr Anblick. Wenn sie in Rot, Gelb, Orange und Grün kräftig in der Sonne leuchten, habe ich zuverlässig sofort gute Laune. Diese ist gerade akut gefährdet, denn der Wetterbericht sagt mir, dass ich dieses Wochenende meine Dachterrasse und das Freie meiden werde. Ich werde die Regenzeit nutzen und Kathrin Hofmeisters Buch Küchengärten: Die Lust am schönen Nutzen intensiv studieren und meine Dachterrasse planen. Durchgeblättert und quergelesen habe ich es schon und wage es zu empfehlen. Es ist voller schöner Bilder, Tipps – vom Anbau bis in den Kochtopf, von guten und schlechten Nachbarn bis zu Inhaltsstoffen – und Anregungen wie dem Hinweis auf Europas grössten Modellgarten-Park Appeltern in den Niederlanden. In diesem wird unter vielem anderen demonstriert, wie man auch ohne Grund und Boden in Hochbeeten oder «Grow Bags» ernsthaft gärtnern kann: von Erdbeeren über Salat bis Fenchel. Dem Küchengarten meiner Mutter, sie hat Grund und Boden, werde ich auf meiner Dachterrasse keine Konkurrenz machen können, aber ich habe die Hoffnung, dass ich diesen Sommer gemischten Salat und Erdbeeren Marke Dachterrasse-Eigengewächs geniessen werde.

 

Zackenalarm by IKEA

In diesem Frühjahr präsentiert IKEA eine neue Kollektion mit dem schwedischen Namen BRÅKIG. Das A mit dem Heiligenschein Å, spricht man O. Richtig ausgesprochen tönt BRÅKIG also ähnlich wie «brockig» und heisst nicht etwa «aus dem Brockenhaus», sondern, laut, rebellisch und im weiteren Sinn jung, frech und ein bisschen trotzig. IKEA engagierte sogenannte ArtRebels, ein kreatives Netzwerk aus extern schaffenden Designern. Die Entwürfe entstanden schliesslich in wenigen Tagen innerhalb eines Workshops in Kopenhagen. BRÅKIG fand bisher viel Anklang und ist noch  in jedem IKEA zu finden. Wegen grosser Nachfrage (was ein Wunder bei IKEA) sind einige Stücke jedoch bereits ausverkauft.

Roman Signer für Atelier Pfister

Er scheine eine Affinität zu Stühlen zu haben, meinte Dorothea Strauss zu Roman Signer anlässlich der Präsentation seines Werks «Stuhl mit Loch» für Atelier Pfister im Pop-Up Store an der Rämistrasse. Der Künstler, 1938 im Appenzell geboren, und trotz seines doch stattlichen Alters Kind geblieben, realisierte für den Möbelhersteller exklusiv die Arbeit «Stuhl mit Loch, Weissbad, 10. März 2014». Doch statt auf seine suggerierte Beziehung zu Stühlen zu antworten, verwies er auf seine Aggression gegen Küchentische, die er seit seiner Kindheit hege. Und darauf, dass das «Sprengen» solcher Objekte gesund sei für die Psyche. Wenn Künstler ihre Ängste (mit Kunstherstellung) therapieren, dann haben (im Unterschied zum Rest der Menschheit) auch andere Leute etwas davon. Auch wenn dabei ein Designstück (im konkreten Fall ein Sessel von This Weber) draufgeht. Zuerst habe er mit der Schrotflinte dahinter wollen, doch das habe zu kleine Löcher gegeben, erzählte er. Wenn schon Loch, dann richtig. Also sprengen. Darauf versteht sich der Künstler, auch wenn sich sein Werk bei Weitem nicht auf das Sprengen reduzieren lässt. Selbstverständlich – wie sich das für ein Land gehört, in dem alles seine Ordnung hat – darf er diese nicht ganz unbedenkliche Tätigkeit von Amtes wegen ausüben. Er sei Sprengbefugter mit B-Ausweis, Sprengmeister verlange die Lizenz C. Die brauche er nicht, meinte er gelassen (das ist nachzuvollziehen, schliesslich ist Signer Künstler nicht James Bond). Dynamit brauche man dafür heute nicht mehr, erfahren wir, doch das macht seine Aktionen nicht minder gefährlich. Von Dorothea Strauss auf diese Gefahr angesprochen, antwortete er: «Kunst geht an die Grenze, man muss dafür etwas wagen». So wird das bei seiner Intervention anmutig lädierte Design zu Kunst. «Manchmal auch zu einem lebendigen Wesen», wie der Künstler bemerkte. Wenn Möbel zu lebendiger Kunst werden, dann bin ich darüber sehr glücklich. Denn zuweilen ist Design allein gar fade. Ich werde ganz fest an Roman Signer denken, wenn ich das nächste Mal eine Messe besuche …

«Weltraum» Concept Store im Richti-Areal

Ab jetzt bis Ende Mai 2014 kann im «Weltraum» Concept Store im Richti-Areal in Wallisellen von Motorrädern über Klamotten bis hin zu Einrichtungsobjekten so einiges geshoppt werden. Ein exklusiver Mix aus Fashion, Beauty, Accessoires, Motorrädern, Büchern, Kunst, Möbeln und Interieurdesign wird vom Team mit und um Mauro Dimitri, Mitbegründer und Mitinhaber angeboten. «Wir wollten Produkte, die uns begeistern und die wir mit Leidenschaft vertreten können. Dinge, die eine Geschichte erzählen und die man nicht an jeder Ecke findet, die bereits Kultstatus besitzen oder das Zeug dazu haben», sagt er. Auch das Richti-Areal selber ist einen Blick wert. Die Grossüberbauung in Wallisellen beim Glattzentrum verbindet Wohnen, Arbeiten, Essen und Einkaufen und wurde von den fünf Architekturbüros Wiel Arets Architects, Studio di Architettura, SAM Architekten und Partner AG, Diener & Diener Architekten und Max Dudler Architekt geplant und von der Allreal-Gruppe realisiert.

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