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Archiv Januar, 2014

Der Stille lauschen – der andere Kulturgeschichtsführer

89 wunderbare Orte im Luzernischen, ihre Geschichte und wie man zu ihnen gelangt.

Die Archäologin  Judith Rickenbacher teilt mit den Lesern ihres neuen Buchs 89 wunderbare Orte im Luzernischen, deren Geschichte und wie man zu ihnen gelangt: von der Höhle hinter dem Wasserfall bis zur Marmorkubus-Kirche.

 

Mit ihrem neusten Buch «Der Stille lauschen: 89 Inseln der Ruhe im Luzernischen» will Judith Rickenbach, Archäologin und Inhaberin des Verlags «kauf + lies» (Sachbücher zur Kulturgeschichte der Zentralschweiz), die Leser an Orte erinnern und führen, die gut tun und im Innersten berühren. Allen 89 vorgestellten Orten gemeinsam ist die Stille, die einlädt zum Verweilen, zum Durchatmen, zum Nachdenken. Sie sind ganz verschieden und haben alle ihre eigene, besondere Geschichte. Die Autorin erzählt diese Geschichten in kurzen, spannenden Texten angereichert mit stimmungsvollen Bildern, die verzaubern. So entstand ein Kulturgeschichtsführer im weiten Sinne, der Architektur, Kunstgeschichte, Archäologie, Volkskunde und Natur miteinschliesst und auch Informationen zu Anreise, möglichen Verpflegungsstationen usw. umfasst. Judith Rickenbachs Ziel ist es, die Lesenden zu sensibilisieren und zu begeistern für das Interessante, Beachtenswerte, Schöne in unserem unmittelbaren Lebensraum. Für mich ist dieses Buch ein teils wiedergefundener, teils neu entdeckter Schatz! Der mich an die vielen Wanderungen und Entdeckungsreisen mit meiner Grossmutter erinnert, die wie Judith Rickenbach zu allen Orten, Flora und Fauna nicht nur Namen, sondern auch Geschichten wusste und es wie sie verstand, diese prägnant zu vermitteln.

Judith Rickenbach, Der Stille lauschen: 89 Inseln der Ruhe im Luzernischen
ISBN 978-3-9523448-2-8
www.kaufundlies.ch

Sehnsucht nach Sion

Diese Woche hatte ich das Vergnügen, Sion kennenzulernen, und mich direkt verliebt. Kein Wunder – wurde ich doch bei einem Bummel durch die Altstadt auf Schritt und Tritt von malerischen Hofsituationen, uralten Plätzen und verwinkelten Gassen überrascht. Die Walliser Hauptstadt Sion, oder auf Deutsch «Sitten», wurde 2013 mit dem Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes ausgezeichnet. Durch die Begrenzung der Bauzonen wurde nämlich erfolgreich auf Verdichtung statt Zersiedlung gesetzt, die Altstadt wieder neu belebt und neue Begegnungsplätze im öffentlichen Raum geschaffen. Nun plagt mich die Sehnsucht nach Sion!
(Zu den Bildlegenden: Schloss Valeria ist mit Sicherheit einen Besuch wert, und falls Sie einem Vortrag des französichen Architekten Edouard Francois beiwohnen können, dann tun Sie das! Lachen ist garantiert!)

Bodenfreiheit

Kürzlich in der Küche eines Freundes. Freund: Ah, bald kommt auf diesen hässlichen Boden endlich ein neuer Belag. Ich: BIST DU WAHNSINNIG? Der Boden: ein Terrazzo. Und zwar ein «echter» Guss-Terrazzo (und nicht einer dieser 1960er-Jahre-Platten-Terrazzi), den man in Italien mit «Terrazzo alla veneziana» betiteln würde. In den Augen meines Freundes ist der Boden allerdings nur «brutto». Brutto, weil ihm der Boden mit der gesprenkelten Optik zu auffällig ist. Böden haben schliesslich unscheinbar zu sein, damit alles andere im Raum zur Geltung kommen kann. Das beinhaltet etwa dieselbe Logik wie die, dass Wände am besten weiss gestrichen werden. Pah! Wieder daheim in meiner Wohnung mit überstrichenem Laminatboden angekommen, krame ich in meiner Schatztruhe gesammelter Schnipsel mit schönen Dingen. Lange muss ich nicht suchen. Ich weiss genau, wie er aussieht, denn seit 2009 hebe ich ihn auf: den Boden meiner Träume. Ein altes Fischgrät-Parkett, das in unterschiedlichen Farbtönen eingefärbt wurde. Verantwortlich für diese Neuinterpretation des traditionellen Holzparketts zeichneten Yael Mer und Shay Alkalay, die als experimentierfreudiges Duo Raw-Egdes zu meinen Boden-Gurus wurden. Ihre furchtlose Herangehensweise beeindruckte mich nachhaltig, was wiederum meine Überzeugung unterstützte, dass Böden nicht einfach langweilige Fussabtreter sein müssen. So bin ich mittlerweile nicht nur im Besitz eines einzelnen Boden-Schnipsels, sondern zur stolzen Besitzerin eines Boden-Schnipsel-Stapels geworden. Und eines Tages wird aus einem der Schnipsel vielleicht tatsächlich ein realer Boden für mich. Oder ich schustere mir aus den Ideen-Schnipseln einen Bodenbelag, den ich dann «Schnitzel-Dream-Floor» nenne. Bis dahin versuche ich aber, meine Freunde davon abzuhalten, ihre auffälligen Terazzo-Böden mit unauffälligen PVC-Platten zu überdecken. Und wer weiss, vielleicht gibt es da draussen noch weitere Boden-Jünger, die für mehr Boden-Aufmerksamkeit kämpfen?

Buchpräsentation: Georg Nelson – Ein Designer im Kalten Krieg

Man braucht kein grosser Design-Kenner zu sein: Nelson-Lampe, Nelson-Uhr, Nelson-Sessel sind Teil des kulturellen Gedächtnisses. In welcher Gehirnschublade auch immer (und für immer) abgelegt, George Nelsons ikonisches Design prägte die amerikanische Produktkultur und schwappte irgendwann auch in europäische Wohnzimmer. Weniger bekannt ist sein Wirken als Ausstellungsgestalter. In den 1950er bis 1960er Jahren, der heissesten Phase des Kalten Krieges, leitete Nelson die Ausstattung und Gestaltung der «American National Exhibition», die unter anderem 1959 in Moskau (!) gezeigt wurde. Die Ausstellungen war Höhepunkt der amerikanischen Selbstdarstellung im Ausland und eine strotzende Leistungsschau der amerikanischen Wirtschaft und ihrer Konsumgüter. Welche Bedeutung hatte diese Ausstellung? Und was bewog George Nelson über Jahre hinweg für den amerikanischen Regierungsapparat tätig zu sein? Diesen und anderen Fragen ging Jochen Eisenbrand in akribischen Recherchen nach. Die Neuerscheinung  «George Nelson – Ein Designer im Kalten Krieg» von Park Books ist eine kompakte Monografie zu Werk und Idee Nelsons in Zusammenhang mit den politischen Umständen dieser Zeit. Am 6. Februar, 19.00 Uhr werden Park Books und der Autor das Buch im  sphères in Zürich präsentieren. Anlässlich der Buchpräsentation wird der Dokumentarfilm «Opening in Moscow» gezeigt – der Film über die Vorbereitung und Eröffnung der «American National Exhibition» in der Sowjetunion. Im Film werden auch Aufnahmen von Szenen aus dem Alltag in Moskau gezeigt. Heiss-kalt-spannend!

Designstadt Antwerpen

Antwerpen ist nicht nur eine Modestadt, auch bezüglich Design und Kunst gibt es Einiges zu entdecken. Nach dem Besuch der Kunstmesse Brafa in Brüssel hatten wir die Gelegenheit, einen der Aussteller in seinem Stammhaus zu besuchen. Axel Vervoordt stach nicht nur mit seiner perfekt inszenierten Standpräsentation an der Brafa heraus, sondern steht für ein Imperium, das Kunst, Architektur und Design umfasst. Dieses Universum an dieser Stelle zu beschreiben, würde zu weit führen. Näheres bald in unserem Heft. Nach dem Besuch von Vervoordts gigantischer «Factory» Kanaal (auf dessen Gelände  bis 2015 neben einem Museum für seine Sammlung auch 100 Eigentumswohnungen fertig gestellt werden sollen) und seines bescheidenen Schlosses nahmen wir uns auch seine Galerie im Zentrum von Antwerpen vor sowie das Roji, ein von ihm gestaltetes japanisches Restaurant. Grad um die Ecke befindet sich eine weitere Mustsee-Destination für Designliebhaber, die Galerie Valerie Traan. Hier findet man unter anderem die Stücke des belgischen Duos Muller Van Severen, welche von der Galeristin exklusiv aufgelegt werden. Wer eher nach transportablem Design sucht, wird in den beiden Shops The Recollection oder Helder fündig.

The winner is…

 

Gestern Abend haben wir an der Swissbau unsere Architekturpreise verliehen: Morger+Dettli Architekten aus Basel und Charles Pictet Architecte aus Genf sind die Gewinner. Morger+Dettli haben den Jurypreis für «Das beste Einfamilienhaus 2014» erhalten. Ihr «Haus Trancauna» im bündnerischen Lumbrein hat die Fachjury mit seinen unterschiedlichen räumlichen Qualitäten, die es auf engem Raum zu vereinen mag, überzeugt. Durch die Materialwahl, die geschickte Lichtführung und die Grundrissanordnung wird die ganz spezielle, intime Atmosphäre des Hauses noch verstärkt. «Der beste Umbau 2014» steht am anderen Ende der Schweiz: Der Jurypreis geht an Charles Pictet für den Umbau eines ehemaligen Kornspeichers in eine Wohnung in Landecy bei Genf. Die unangestrengte Herangehensweise des Architekten gab den Ausschlag für die Auszeichnung. Die historische Substanz wird respektiert, aber nicht inszeniert, sodass ein stimmungsvoller Umbau entstanden ist, bei dem Alt und Neu ganz selbstverständlich miteinander existieren. (mehr …)

Quoi de beau pour Les Garçons?

Meine Offenheit ist nicht über alle Zweifel erhaben. Das wurde mir einmal mehr bewusst, als mich ein Freund in das neu eröffnete Zürcher Etablissement «Les Garçons» mitnahm. Ein Ort, der vornehmlich für die Herren der Schöpfung in die pulsierende Welt des Kreis 4 gesetzt wurde und in der Frauen zwar ohne Wenn und Aber akzeptiert werden (weil hier IST Offenheit über alle Zweifel erhaben), aber offenkundig nicht das Hauptpublikum darstellen. Jedenfalls sträubte sich mein voreingenommenes, inneres Ich (und wohl auch das kleine Teufelchen mit dem Namen Selbstüberschätzung) gegen die Vorstellung, den Donnerstagabend in einer Bar mit Männern zu verbringen, denen meine Anwesenheit unangenehm sein könnte. Aus diesem Grund steuerte ich direkt nach dem Eintreten das Fumoir an, den verschämten Blick nur hebend, um mich zu orientieren. Einmal in Sicherheit – in dem mit Glas abgetrennten Bereich, wo Rauchen keine Sünde ist – wagte ich es im trügerischen Schutz des gut abziehenden Qualms endlich, mein Umfeld genauer in Augenschein zu nehmen. Und kam dabei ordentlich ins Staunen.  (mehr …)

Kuschel Kopfende von Alessandra Baldereschi

Wollten Sie sich schon immer wie eine Prinzessin fühlen? Zumindest manchmal? Da helfen auf die Schnelle die Kopfteile von Alessandra Baldereschi. Die verschnörkelten Bettenden können flux an der Wand befestigt werden und schon hat man in seinem Schlafzimmer ein bisschen Prinzessinenschloss installiert. In Gold, Silber oder Kupfer. Das sieht nicht besonders stabil aus? Ist es auch nicht. Muss es auch nicht sein! Denn für die Grossstadtprinzessin hat Alessandra Baldereschi das Kopfende zum Schmusen und Herzen als flexibles, weiches Artefakt entworfen, das bei Bedarf schnell von der Wand genommen werden und zum (waschbaren und wasserfesten) Kuschelkissen umfunktioniert werden kann.

Neuheiten? Nachlese zur imm cologne

Auslage an der Körnerstrasse in Ehrenfeld. Die Inhaberin des Geschäfts konnte sich nicht mehr an den Namen der Messe erinnern. News mal anders.

Auslage an der Körnerstrasse in Ehrenfeld. Die Inhaberin des Geschäfts konnte sich nicht mehr an den Namen der Messe erinnern. News mal anders.

Es ist schon so: Als Designjournalist geht man wegen der Neuheiten an die Messen. Und schämt sich im gleichen Zug für die stetige Frage nach den aktuellen News. Denn irgendwie machen sich auch gewisse Ermüdungserscheinungen im Designkarussell bemerkbar. Das Motto der Hersteller scheint zu lauten: das gleiche nochmals in Hellgrün. Man darf und will es diesen auch nicht verübeln. Denn trotz der vielen tollen Ideen angehender, junger oder arrivierter Designer, trotz der zum Teil ungewöhnlichen und neuartigen Objekte, die man an solchen Veranstaltungen zu sehen bekommt, fragt man sich ernsthaft: Für wen sind alle diese Sachen? Wer kauft das alles? Wen interessieren sogenannte Trends? Gibt es solche wirklich oder ist das Geschwafle darüber alles hohles Blabla? Klar, irgendwann kommt der Moment, an dem man sich das coole Designersofa endlich leisten kann. Klar, es gibt Tendenzen, die in der Luft liegen (und die sich dementsprechend in Möbelstücke übertragen lassen). Klar, die Welt ändert sich mit jedem Tag. Aber genau so hängen wir doch an Altem, am abgenutzten Stuhl der Grossmutter (gar wieder nur ein Trend?), an der zerfledderten Decke, die man mal auf einer Reise gekauft hat. Wir sind newssüchtig (zumindest wir Journalisten) und Nostalgiker zugleich. (mehr …)

Machine Series – Alltagsobjekte aus dem 3D-Printer

Machine Series ist eine in der Schnittmenge von Industrie und Handwerk angesiedelte Plattform. Das Ziel der in New York arbeitenden, italienischen Designer Barbara Busatta und Dario Buzzini ist es, alltägliche Objekte mit Eleganz und öffentlich zugänglichen Verfahren herzustellen. Mit 3D-Printing haben sie eine Technologie gewählt, über die derzeit viel gesprochen wird, die aber zu oft entweder amateurhafte oder dann sehr teure, da künstlerische Produkte hervorbringt. Ihr Anspruch ist es daher, bezahlbare Alltagsobjekte mit Designanspruch zu schaffen, die industriell hergestellt, aber von Hand kontrolliert und zusammengesetzt werden. Die erste Kollektion ist ein Set von einfachen Behältnissen, die ebenso auf dem Schreibtisch wie in Bädern ihren Platz haben können. Mit herkömmlicher FDM (Fused Deposition Modeling) -Technik werden die einzelnen Objekte berechnet und mit einem 3D-Printer umgesetzt. Formal wie farblich orientiert sich die Kollektion an der japanischen Shibui-Ästhetik, welche Einfachheit und Komplexität in Balance hält und Schönheit im grundsätzlich Einfachen ausmacht, das sich durch subtile Details wie etwa spezielle Texturen abhebt. Getreu ihrer Prämisse der Zugänglichkeit des Herstellungsprozesses sind die Daten zur Produktion der Kollektion frei unter diesem Link erhältlich. Damit lädt Machine Series ein, Modifikationen vorzunehmen, neue Materialien, Techniken und Formen frei zu erproben.

 

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